Nachthemd & Lebensende
Während der Elternzeit des Mannes verbrachte die Uroma unserer Kinder ein paar Tage bei uns und wir konnten sie mit dem neu genehmigten Rollstuhl endlich mal – ohne, dass es für sie zu anstregend gewesen wäre – durch Dresden fahren. Was für ein Gewinn an Lebensqualität! Bevor sie es sich am Abend auf unserer Couch bequem machte (und damit die Familie überraschte, die vorher verkündet hatte, dass die Oma nur zu Hause übernachten würde), war sie natürlich umringt von unserem Tochterkind, die stolz ihr Nachthemdvorführte. Die Uroma, selbst eine hervorragende Näherin, bewunderte unsere 4-Jährige entsprechend und verkündete, dass für sie noch nie jemand so ein schickes Nachthemd genäht hätte.

Der Plan zum 85. Geburtstag stand also fest – es sollte ein Tochterkind-Nachthemd “in groß” für die Uroma geben. Das Schnittmuster aus “Klein & Oho“* wurde nach Augenmaß und Probemessen im Freundeskreis entsprechend vergrößert und rasant drauf los genäht.Unter die Nadel kam bereits gut gelagerte Webware vom Sterntaler Werksverkauf, denn so ein Nachthemd-in-groß verbraucht schon einiges an Stoff. Bei der Bogennaht habe ich diesmal noch einen Alternativstich ausprobiert, der noch ein bisschen mehr nach Handnaht aussah.

Wie hier gezeigt, bekam die Uroma außerdem einen Krankenhaus-Begleiter aus eben diesem Stoff, den schon beim nähen habe ich befürchtet, dass sie dieses Nachthemd wahrscheinlich niemals tragen können wird. Bei ihrem Besuch im Herbst wird sie den Krebs wohl schon sich getragen haben, ohne dass wir geahnt hätten, dass diese Krankheit, gegen die nun auch die Mediziner machtlos sind, verhindern wird, dass sie uns jemals wieder besuchen kommen wird. Der Chemotheraphie-Versuch musste abgebrochen werden und die Metastasen an verschiedenen Stellen im Körper lassen leider keine Hoffnung, dass ihre Lebensuhr noch lange weiterlaufen darf.

Die Weihnachtszeit ist daher bei uns eine sehr ungewöhnliche und die Themen kreise um Hospiz, palliatives Notfallteam bei der der häuslichen Pflege und Sterbebegleitung. Dennoch freue ich am Freitag, dass die Familie momentan einen Weg gefunden hat, um sie aus dem Krankenhaus herauszuholen. Für H54F und den Friday Fives gibt es fünf Dinge (und eigentlich noch viel mehr), für die ich tiefe Dankbarkeit empfinde:
1.) Ich bin dankbar dafür, dass ich die Uroma bereits zu einem Zeitpunkt kennenlernen durfte, als sie, den geliebten Mann noch an ihrer Seite, ohne Mühe durch das Leben lief
2.) Ich bin dankbar, dass es im vergangenen Sommer ein großartiges Hoffestmit vier Generationen und über zwanzig Familienangehörigen und noch Ende Oktober ein Familiengroßtreffenmit über dreißig Mitgliedern aus drei Bundesländern in Ost und West gab und wir es nicht verschoben haben, bis es ihr besser geht
3.) Ich bin dankbar – und zwar sehr – für den Mann an meiner Seite, der selbstverständlich seine Arbeitstermine umorganisiert und Urlaub genommen hat, um zumindest die nächsten Tage und in der Weihnachtszeit gemeinsam mit der Ärztindie häusliche Pflege zu übernehmen
4.) Ich bin dankbar für die vielen Dinge, die sie mir gelehrt hat, zu dem auch der Umgang mit der Wäschemangelgehört, auf der übrigens auch der Stoff für dieses Nachthemd geglättet wurde
5.) Ich bin dankbar für die Lebenserinnerungen, die sie uns bereits zum sorgsamen Aufbewahren überlassen hat – dazu gehört die Reiseapothekegenauso wie der Hochzeitsschrank
Sie in nächster Zeit gehen zu lassen, wird ein schwerer Weg für die Familie. In diesem Momenten beneide ich alle Menschen, die an ein “danach” und vielleicht sogar das Wiedersehen mit Vorangegangenen – wie im Fall der Uroma mit dem verschollenen Vater oder dem geliebten Mann – glauben können. Ich gehöre leider (noch) nicht dazu …
Die Alltagsbewältigung mit Beruf und den beiden Kinderlein als Strohwitwe wurde in der letzten Woche bereits einige wenige Tage erfolgreich geprobt. Da uns als Familie hoffentlich noch viele gemeinsame Weihnachtsfeste erwarten, habe ich auch kein Problem damit diese Zeit – zumindest teilweise – getrennt zu verbringen.
Nie hätte ich geahnt, welche Bedeutung mein Jahreswort 2014 alles mit sich bringen könnte …

Rezension: Schriftenwerkstatt. Fonts und Schriften von Hand entwerfen
Mein letztes Rezensionsexemplar von den Neuvorstellungen des Bücherherbstes aus dem Haupt-Verlag ist mit der “Schriftenwerkstatt. Fonts und Schriften von Hand entwerfen“* ein richtiges Praxisbuch. Auf 176 Seiten stellt die Autorin Charlotte Rieversin sieben Kapiteln, die in die großen Bereiche “Schriftschöpfung” und “Fonterstellung” aufgeteilt werden, die Genese einer neuen Schriftart dar. Die eigentliche Schriftgestaltung überlässt die Engländerin dabei aber 25 renommierten Designern.
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| Abbildung vom Haupt-Verlag |
Nach der Einleitung folgen im ersten Bereich der Schriftschöpfung die Kapitel “Illustration und Freihandzeichnung”, “Papierschnitt, Druck- und Sticktechniken”, “Digital gezeichnete Schriften”, “3D-Schriften und Schriftinstallationen” sowie “Gefunden oder fotografiert”. Der zweite Bereich Fonterstellung unterteilt sich entsprechend der Praxisschritte in “Vorbereitung” und “Durchführung”.
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| Abbildung vom Haupt-Verlag |
Nicht nur der zweite Teil sondern auch bereits die ersten fünf Kapitel sind sehr klar in jeweils eine Doppelseite mit dem Profil des jeweiligen Schriftgestalters und einem Tutorial mit Schritt-für-Schritt-Anleitung unterteilt. Nach jedem dieser Kapitel gibt es außerdem eine zusätzlich inspirierende Galerie.
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| Abbildung vom Haupt-Verlag |
Selten habe ich bislang ein Praxisbuch dieser Art in den Händen gehalten, das – neben den vielen Kreativtechniken vom Schriftsticken bis Scherenschnittverianten – sogar bei den Software-Programmen, wie Photoshop* oder Illustrator* in Schritt-für-Schritt oder eher Klick-für-Klick-Anleitungen zeigt, wie man tatsächlich zu einem professionellen Ergebnis kommt. Am Ende des Buches hat man tatsächlich das Gefühl, dass man seine eigene Schrift entwerfen könnte, die mit FontLab und Fontographer* in eine richtige, digitale Schriftartendatei umgesetzt werden kann. Die Schritte in der Software dazu kommen mir zwar teilweise fast zu einfach vor, aber vielleicht sollte man es einfach mal ausprobieren. Die knapp 30 € für dieses Buch* sind dabei gut investiert, wobei man das Gefühl hat, dass auch ein Grafiktablet* eine feine Sache wäre. Eine eigene Schrift – das wär es doch … warum muss unser Alphabet eigentlich gleich so viele Zeichen haben?
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| Abbildung vom Haupt-Verlag |
Von schöner Schrift lasse ich mich übrigens immer mal wieder bei KAZE und Jademond inspirieren. So schön würde ich auch gerne schreiben können …. und ihr? Schreibt ihr eure Weihnachtsgrüße noch mit der Hand oder nur digital?
Vom Haupt-Verlag wurde bereits vorgestellt:
“essbar. Wildpflanzen, Pilze, Muscheln für die Naturküche”
“Wald und Wiese: Das Naturmitmachbuch für Kinder”
“Selbst verpackt. Schöne Verpackungen für handgemachte Produkte”
“Carrom, Kreisel, Murmelbrücke: Kinderspiele aus aller Welt zum Selbermachen”
“Quilten in der dritten Dimension: Techniken und Projekte”
“Bildtransfer. Materialien, Techniken und Projekte”
amberlights Rezensionsportal
Verlinkt beim offenen Bücherregal von Goldkind.
Geld verdienen mit DIY Blogs: Transparenzbericht & Blogeinnahmen 11/2014
Im November haben meine Blogeinnahmen144,91 € eingebracht, wobei sich darunter ein kleiner Überraschungsgast befand. Die großen Beträge verteilen sich mit 48,99€ auf Amazon* und 43,07 € von DaWanda*. Kleinere Beträge kamen mit 7,11€ von Etsy*, 10,67€ von Alles für Selbermacher* und 6,44 € von Namensbänder* sowie fast nicht erwähnenswerten 0,04€ von Flattr*. Blogsponsorwar mit 25€ das zweite Mal Brauen.de. Der Überraschungsgast im November war mit 3,59€ JAKO-O*, das zu den Partnerprogrammen gehörte, die ich eigentlich mit Jahreswechsel von der Seite runterwerfen wollte, weil sie nichts einbringen. Vorher habe ich es aber noch mit einem Banneraustausch und Einbindung auf der Unterseite “Geschenkideen für Kinder” probiert und war damit offensichtlich erfolgreich. Sehr überraschend!

Ausgegeben wurden im November nur ca. 9,00 €, die ich großzügig für Nähzubehör “bloggesponsert” habe, das der Mann sich selbst für seine Hosenreparatur gekauft hat, die er dann natürlich auch selbst durchgeführt hat. 😉 Nach dem Abzug des Spenden- und Vierseithofanteil ist daher der größte Teil der Monatseinnahmen in die nachträgliche Finanzierung der beiden Maschinen geflossen und landet damit ebenfalls in der Haushaltskasse.
Da der Spendentopf ordentlich angewachsen war, konnte ich im November gleich mehrere Projekte unterstützen. Ingesamt habe ich 55,26 € gespendet, die sich mit 27,26 € wie im letzten Jahr auf den 24-Gute-Taten-Weihnachtskalender verteilen, 20,00 € gingen an “Heimathonig” via Startnext und 8,00 € an “Apfelschätze” via Startnext.

Der Warenwert lag im November bei 126,90€, obwohl ich nur zwei Rezensionsexemplare vorgestellt habe. Meine Beteiligung am neu gestarteten Etsy*-Partnerprogramm und dem damit verbunden Gewinnspiel hat mir einen 100-Euro-Gutschein eingebracht. Bei den Rezensionsexemplaren wurden aus Zeitgründen durch die eigene Doktorarbeitsverteidigung nur “Spackos in Space – Zoff auf Zombie 7“* und “Mein Nähmaschine und ich”* besprochen. Geschrieben wurden im November 21 Blogeinträge und die Seitenaufrufe fielen leicht auf 31.213, was aber nach dem Höhenflug des Vormonats auch nicht anders erwartet wurde.
Leider habe ich im letzten Monat den Vergleich mit den Einnahmen anderer Blogger verpasst. Da Selbstständig im Netzaber gerade zur Blogparade rund um den Blogeinnahmen-Jahresrückblich aufruft, nutze ich die Chance dabei zu sein. Den Zahlen-Rückblick gibt es bei mir erst im Januar, aber meinen Zukunftsplan verrate ich gern schon im Dezember.
Die Blogparade fragt beispielsweise nach konkreten “Maßnahmen”, die ich für 2015 vorhabe, welche Ziele ich bislang erreichen konnte und wohin ich mich weiterentwicklen möchte. Bei meinem DIY-Blog bleibt an erster Stelle Dankbarkeit, dass sich offensichtlich tatsächlich einige Blogleser die Mühe machen, bei ihren Bestellungen via DaWanda*, Etsy*, Amazon* oder Alles für Selbermacher* tatsächlich an mich zu denken und den (Um)Weg über meinen Blog zu gehen. Für spontane Leserklicks erscheinen mir die Bestellmengen, inzwischen einfach zu hoch. Erstes Ziel wird auch 2015 bleiben, das Nähhobby ohne Belastung der Haushaltskasse finanzieren zu können und mittlerweile sogar den Vierseithoftraum aktiv damit zu unterstützen, wobei weiterhin ein Teil gespendet wird. Selbst der Warenwert, der durch den Blog zu uns findet, ist inzwischen so hoch, dass wir die (Weihnachts)Geschenke der Kinder komplett blogfinanzieren können. Das ist unglaublich – und so großartig, dass mir ein bisschen die richtigen Worte dazu fehlen.

Ändern werde ich 2015 die Anzahl des Werbeplatzes, denn damit war ich Ende des Jahres nicht mehr flexibel genug. Potentiellen Blogsponsoren absagen zu müssen oder sie auf den kommenden Sommer zu vertrösten, gefällt mir nicht. Daher plane ich, dass zwar der oberste Werbeplatz – wenn die Möglichkeit besteht – nur an Neukunden vergeben wird, da ich nicht mehr als ein Shopvorstellungsinterview pro Monat verbloggen möchte, aber auf Platz 2 gerne “Wiederholungswerber” springen können. Platz 3 bleibt mir dann für saisonal-passende Werbung. So ist der Plan und mir bleibt nun nur auch diesen Monat zu sagen:
Habt vielen Dank, ihr lieben Über-die-Seite-Besteller!
PS: Habt ihr für 2015 denn Transparenzberichtswünsche? Wollt ihr irgendetwas noch genauer wissen oder gibt es Dinge, die euch zu sehr stören?
Verlinkt bei Mittwochs mag ich …
Der kleine Maulwurf und seine Gartenfreunde
Nachdem ich letzte Woche hier ja schon “vernäht-gerade-jeder-Stoffe” gezeigt habe, schiebe ich heute die den heiß umkämpften Maulwurfsstoff* hinterher. Bei wohl keinem anderem Stoff hätte ich diesen Hype mit Verkaufscountdown, Mengenbegrenzung und zusammenbrechenden Servern mitgemacht, aber beim kleinen Maulwurf werde selbst ich schwach.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Maulwurf, wie Schlapperplapper, Casimir, Plumps oder Moppi zu meiner Kindheit gehörten, von der nicht mehr viel zu sehen ist. Sehr verwundet bin ich immer wieder darüber, warum er manchmal als “Pauli” bezeichnet wird, denn das ist mir völlig unbekannt. Da ist bei uns eher noch die originale Krteček-Bezeichnung üblich und unsere Freunde aus Prag, freuen sich immer, wenn wir den Originalnamen richtig aussprechen können. 🙂
Der kleine Maulwurf ist bei uns – wie z.B. hier zu sehen – ziemlich präsent. Das Tochterkind hat nicht nur ein Maulwurfsmemory* sondern auch einige Maulwurfsbücher*. Der auswendig gelernte Lieblingsspruch des Tochterkindes aus “Der Maulwurf im Sommer“* war übrigens schon ganz zeitig “Der Maulwurf packt im Handumdreh’n die gier’gen Raupentiere und schließt die Baumstumpftüre.” Schade, dass uns das Winterbuch* fehlt. Kennt ihr eigentlich “Der kleine Maulwurf und die Geburt“? Ich schweife ab …
Jedenfalls freu mich, dass es mir tatsächlich gelungen ist, wenigstens einen der zwei nachproduzierten Stöffchen zu ergattern, der jetzt auf meinem Creadienstagstisch liegt. Noch lieber wäre mir zwar die olivgrüne Variante* gewesen, die sogar schon im Warenkorb lag, aber bis der Bestellvorgang nach einer halben Ewigkeit endlich bestätigt werden konnte, war der Stoff dann doch schon ausverkauft. *Grmpf* Eine nette Überraschung waren aber die ausschnittbereiten Applikationsfiguren am unteren Rand der Stoffbahn. Das ist eine sehr feine Idee.
Auto-Body, Gr. 80
Unser momentan so sehr rasantes Leben hat dazu geführt, dass ich dieses Jahr zwar noch halbwegs mit der Freundeskreis- und Babywillkommensgeschenkeproduktion hinterher gekommen bin, aber die Nähwerke für die eigenen Kinder doch recht dürftig ausfallen mussten. Besonders traurig war die Unterbrechung der Body-Näherei, denn wenn man sein Kind einmal in so einem selbstgenähten Stück gesehen hat, findet man die Schlabberbodys doch alle furchtbar, oder? Der letzte Body für den Sohnemann ist in Gr. 56 von der Nadel gehüpft und inzwischen ist er mit seinen 17 Monaten schon bei Gr. 80.

Vernäht wurde ein Auto-Jersey*, der im April als Gewinn von der Landfee* zu mir gekommen ist und das noch auf dem Nähtisch liegende grüne Bündchen* vom Frühlings-Stoffmarkt. Damit habe ich nun das erste Mal einen Schnabelina-Body komplett mit der Overlock genäht und war danach alle andere als zufrieden.

Das sehr steife Bündchen erzeugt eine mir viel zu dicke Innennaht, die beim nächsten Body aber relativ einfach durch die Bündchenannäherei nachdem die Armnaht geschlossen ist, verhindert werden kann. Überraschter war ich von meinen Problemen mit der Übergangsstelle von Arm- und Seitenaht. Solange ausschließlich die Nähmaschine ratterte, habe ich immer schwungvoll bis zu dieser Stelle genäht, kurz angehalten, das Nähstück neu ausgerichtet, um dann die Seitennaht nach unten zu schließen. Bei einer Overlock geht das aber nicht, denn – zumindest ich – schaffe es dabei, mit dem Messer ein Loch in den Stoff zu schneiden. Unschön!

Mein Thema für den nächsten Dresdner Nähbloggertreff steht also. Bis dahin erfreu ich mich aber weiterhin am nun wieder schick aussehenden Sohnemann. Wie lange kann man so einen Body eigentlich am Kind lassen ohne zu wechseln? 😉

Verlinkt bei my-kid-wears, Made4Boys und Kiddykram.




