Nähwettbewerb Lillesol und Pelle oder eine Nähodysee

9. Januar 2014 | geNÄHtes, Praktisches, Reißverschlusstasche, Tasche, unbezahlte Werbung | 22 Kommentare

Diese Tasche kann sich nicht einfach nur mit ihren Angaben zu Stoff, den vielen Webbändern*, Schnitt und Farbwahl in der Bloggerwelt präsentieren, sondern muss ihre Geschichte erzählen:

2013:

Aus dem Lillesol und Pelle Blog springt mit dem 24. Türchen des Adventskalenders ein Schnittmuster samt Nähwettbewerb, bei dem eine Ebook-Flatrate für ein ganzes Jahr lockt. Beim Blick auf den Sohnemann wird klar, dass man diesmal wohl den anderen Nähern den Vortritt lassen muss und man seufzt dabei etwas leise. Stattdessen streichelt man seine große Webbandsammlung und hofft auf entspannte Nähabende, die sicher wieder kommen werden.

2014:

7. Januar

Mit Beginn des Bloggerjahres verkündet man öffentlich sein Jahresmotto “loslassen” und denkt dabei auch ein bisschen an den verlockenden Nähwettbewerb, der einen jeden Tag anschaut, weil die Seite im Browser geöffnet bleibt. Man muss ja auch nicht überall dabei sein …

8. Januar

Einen Tag vor dem Ende der Einreichefrist und mit dem Wissen, dass der folgende Tag so mit Terminen vollgestopft ist, dass kaum Zeit für Freizeitvergnügen bleiben wird, macht es im amberlight-Kopf *pling* und die Taschengestaltungsidee ist da. Eine Tasche auf der endlich mal richtige viele der sonst nur gesammelten Webbänder vernäht werden – das wäre doch was. Es ist 18: 00 Uhr, der Mann weilt bis 22:00 Uhr bei der Orchesterprobe und die Kinderlein sehen beide noch recht munter aus. Das Schnittmuster wird vor dem Abendbrot ausgedruckt und anschließend schwungvoll zugeschnitten.

19:00 Uhr

Der Plan das Tochterkind so schnell wie möglich ins Bett zu stopfen und die abendliche Seite aus dem Mondbuch etwas abzukürzen, scheitert an zwei aufeinanderfolgenden Telefonaten.

19:45 Uhr

Die Tochter ist wie immer ohne Diskussionen im Bett verschwunden, die Maschine rattert, aber der so gar nicht alleine schlafen-könnende Sohnemann will unbedingt mitnähen oder stellt sein kreischendes Brüllen an, das er beim Polterabend neu erlernt hat.

20:15 Uhr

Der Versuch den Sohnemann in den Schlaf zu stillen, wird abgebrochen, das Telefon klingelt erneut und das Baby wird anschließend in den Mei Tai auf den Rücken gebunden. Damit näht sich schon besser und die Konzentration reicht sogar an das eigene Nählabel zu denken.

20:45 Uhr

Das Täschlein ist fertig, aber die Lichtsituation eigentlich nicht für Aufnahmen zu gebrauchen. Eine zusätzliche Lampe wird umgebaut und die ISO-Zahl der Kamera in schwindlige Höhen getrieben.

20:55 Uhr

Man eilt zum Computer des Mannes und wirft den Chip schwungvoll in den Slot, wundert sich noch etwas über das Einschubgefühl und in diesem Moment purzelt der Kamerachip auch schon unerreichbar in das Computerinnere. So war das Jahresmotto eigentlich nicht gemeint.

20:56 Uhr

Man überlegt aufzugeben.

20:57 Uhr

Greift man beherzt zum geeigneten Schraubgerät und beginnt den Computer des Mannes zu zerlegen. Beim Schrauben lösen, merkt man, dass sich nicht die Rückwand wie gewünscht lockert, sondern etwas anderes ins Computerinnere poltert … Inzwischen ist der Sohnemann auf dem Rücken erwacht, befüllt seine unbequeme Lage, während man unter dem Tisch klemmt und vermeldet lautstark Protest. Das Telefon klingelt wieder ….

21:05 Uhr

Der Rechner des Mannes ist endlich offen und das Lesegerät offensichtlich zu gut eingebaut. Man ändert die Taktik und beginnt mit Holzspieß und Pinzette nach dem Chip zu fahnden. Inzwischen kaut der Sohnemann interessiert an der Taschenlampe, ist aber sonst wenig hilfreich.

21:25 Uhr

Der Chip ist wieder da. Der Rechner läuft, aber vermeldet eine Fehlermeldung, die ignoriert wird. In der Bildbearbeitung wird etwas verzweifelt an Weißabgleich und Kontrast gedreht und festgestellt, dass an diesem Abend keine wirklich guten Taschenaufnahmen mehr entstehen werden …

21: 45 Uhr

Der Sohnemann liegt auf dem Stillkissen an seiner Lieblingsstelle und nuckelt sich in den Schlaf. Der Blogeintrag wird begonnen und rasant in die Tasten gehauen.

22:00 Uhr

Der Blogeintrag ist fertig und kann morgen früh, 7:30 Uhr seine ersten Leser finden. Der Rechner ist noch immer auseinandergeschraubt, die Wohnung verwüstet und demnächst, muss ich dem Mann wohl einiges erklären … morgen früh wollen natürlich passenderweise auch noch die Heizungsableser in alle Räume der Wohnung …

Das diese Tasche mal ausnahmesweise nicht verschenkt wird, sondern bei mir bleiben wird, ist sicherlich klar. Deshalb darf sie auch zu RUMS wandern. Nach dem Hinweis von le monde de kitchinun auch noch bei den Short Stories verlinkt.

amberlight-label

Kreativtagebuch einer Kunsthistorikerin mit (Ehe)Mann, zwei Schulkindern (*01/2010 & 07/2013) und einem Kindergartenkind (*09/2017) im Projekt Vierseithof (*1768) in Dresden wohnend, gerne die Welt bereisend.

22 Kommentare

  1. Wow… Was für ein Abend bei dir! Aber toll, dass du es geschafft hast…
    Bei mir ist es am Urlaub, und seit Montag an der liegengebliebenen Arbeit gescheitert!
    Aber ich drücke dir natürlich die Daumen 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

    Antworten
  2. Hahahahah 🙂 Schön zu lesen, auch wenn einem in der gleichen Situation wohl eher nach Schreien zumute wäre! Allerdings frage ich mich beim Lesen: Warum hast du bei dem Stress nicht einfach mal das Telefon klingeln lassen? Wenn's grad nicht passt, geh ich einfach nicht ran.
    Aber schön, dass du am Ende doch noch zu deinem Täschlein gekommen bist. Das würd ich bei DER Geschichte auch nicht aus der Hand geben!
    Ich kenn solche Aktionen übrigens auch, aber bei mir ist es dann in der Regel so, dass mir kurz vor knapp noch was einfällt, was ich jetzt ganz unbedingt kochen oder backen und noch zu dem Termin gleich mitnehmen muss. Natürlich fällt genau dann etwas um oder runter, so tolle Sachen wie ein Honigglas auf den Fliesen oder so. Oder das letzte Ei…
    Aber wenigstens geben solche Situationen hinterher gute Lachgeschichten ab 🙂

    Liebe Grüße und in Zukunft entspannteres Nähen wünscht
    Regina

    Antworten
  3. @königinnenreich Telefon abstellen, wäre noch eine Option gewesen, aber ein Anruf davon war erwartet und wenn ich es lange hätte klingeln lassen, wäre das Tochterkind vielleicht doch wieder rausspaziert …

    Antworten
  4. *schmunzel*
    Schön geschrieben…
    LG Anja

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  5. Ich musste sehr schmunzeln und an meine halb fertige Tasche denken die hier so langsam entsteht. Ich hoffe noch auf ein paar freie Minuten. Ich glaub, dass Kind schläft gleich … ich muss an die Nähmaschine!
    Liebe Grüße Stefanie

    Antworten
  6. Oh je! Das braucht aber wirklich niemand. Ich kenn das, wenn alles was schief gehen kann auch schief geht (Dinge, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt).
    Gelohnt hat es sich aber. Das Täschchen ist toll geworden und hat sicher eine gute Chance bei dem Wettbewerb!

    Antworten
  7. Ein wunderhübsches Täschchen … ich kann einpacken! 🙂

    LG
    Frau H.

    Antworten
  8. Danke für die Schmunzelgeschichte, auch wenn Du sicher nicht so oft dabei geschmunzelt hast!
    LG
    Valomea

    Antworten
  9. Hach, das liest sich ja wie bei mir…
    kann ich jetzt irgendwo für dich abstimmen oder wer bestimmt, wer gewinnt?

    Antworten
  10. hihi…ja….so schnell mal genäht…grins und kein Aufwand…ist aber toll geworden und ich finde wir haben alle beim Nähwettbewerb gewonnen….aus einem schlichten Schnitt sind tolle kreative Taschen entstanden…Daumen hoch

    BellaMein herzensüßer Blog

    Antworten
  11. Welche Geschichte! Solltest du auch noch mit der Aktion von Jolijou& Sabine verlinken. Ich hoffe, es hat heute Morgen keine Krise im Hause Amberlight gegeben…
    Liebe Grüße
    Astrid

    Antworten
  12. Liebe Anni, hab vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Als nächstes werden aus der übergroßen Anzahl 20 Finalisten ausgewählt und ich bin schon sehr gespannt, wer dort dabei sein wird …. wenn das mein Täschlein schaffen sollte, wäre das natürlich eine große Freude …

    Antworten
  13. @Bella Du hast natürlich recht, dabei sein ist auch schon fein. Bei dir gefällt mir besonders der Schriftzug, denn ich weiß, dass diese Nähmaschinenmalerei gar nicht so einfach ist …

    Antworten
  14. Liebe Astrid, vielen Dank für den Tipp – ich hab gleich mal verlinkt …

    Antworten
  15. Solche Geschichten liebe ich, weil man als Oma zwar nicht das Enkelkind am Rücken hat, aber der Kampf mit der Technik ist auch nicht ohne- in diesem Alter!
    Liebe Grüße, Brigitte

    Antworten
  16. Mannomann. Aber so ist nun mal das Leben. Danke für's teilen der Geschichte.
    LG, Heike

    Antworten
  17. Wow, was für eine Geschichte. Ich habe mir deinen Post jetzt schon mehrmals durchgelesen, weil er so klasse ist. Allein die Vorstellung wie du mit dem Sohnemann unterm Tisch am PC herumschraubst ist klasse, das hätte ich gern gesehen. 😀
    Ich drücke die jedenfalls ganz doll die Däumchen, dass dein schickes Täschlein es in die Top 20 schafft.
    LG Bianca

    Antworten
  18. Du Verrückte! Laptop auseinanderschreiben, hallo!!! Ich wäre an dieser Stelle wohl in Heulkrämpfe ausgebrochen und hätte aufgegeben! Bei uns ist der Drucker kaputt u ich völlig aufgeschmissen, zum verrücktwerden!
    Tolle Geschichte zur Tasche!

    Antworten
  19. Liebe Frau Atze, der Laptop war's nicht (obwohl ich den auch zerlegt hätte), sondern der große Rechner des Mannes … das versehentlich abgeschraubte Teil war übrigens nur irgendwas mit der Frischluft und der Mann hat die Situation mit Humor getragen ….

    Antworten
  20. Hej, das Täschchen ist ja superschön geworden. Viele liebe Grüße, Elvira

    Antworten
  21. @Sumsel Hab vielen Dank! Bei den vielen, vielen Taschen war das aber auch nicht zu erwarten …aber über deinen Kommentar habe ich mich natürlich sehr gefreut!

    Antworten
  22. herrlich geschrieben! Ich glaube du solltest dein Motto kurzerhand umbenennen in "Humor ist wenn man trotzdem lacht" denn das hast du an diesem Tag schon mal grandios gemeistert.;-)
    Ich wünsche dir ein wundervolles 2014 und freue mich, dass du bei Short Stories dabei bist.
    Liebe Grüße,
    Andrea

    Antworten

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Kreativtagebuch einer Kunsthistorikerin mit (Ehe)Mann, zwei Schulkindern (*01/2010 & 07/2013) und einem Kindergartenkind (*09/2017) im Projekt Vierseithof (*1768) in Dresden wohnend, gerne die Welt bereisend.


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