Rezension: Die Kinder vom Birnbaumhaus

16. Juni 2016 | Anzeige, Kinder-Lesestoff, Kinderbücher (6-10 Jahre), Rezensionen | 0 Kommentare

Blogleser wissen, dass Umzugszeit und anschließend die dreiwöchige Dienstreise in ein Land mit Internetzensur dazu geführt haben, dass es ungewöhnlich ruhig auf dem Blog war. Auch die Verlage müssen sich momentan gedulden. Wenn ich den Bücherstapel der Rezensionsexemplare so sehe, traue ich mich noch gar nicht so richtig, bei den Neubestellungen aus dem Herbstprogramm zuzuschlagen. Ebenfalls länger als üblich, musste der Coppenrath-Verlag auf die Vorstellung des Buches “Die Kinder vom Birnbaumhaus” warten, das mir von Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt wurde.

Abbildung von Coppenrath

Das 184seitige Kinderbuch der Autorin Anne Herzog, die mit der Illustratorin Frau Annika zusammenarbeite, richtet sich an die Altersgruppe 9-11 Jährige und damit an Kinder, die bereits selbst lesen können. Die Sprachverwendung der Autorin, die sich angenehm vom standardisierten Erzählstil abhebt, schafft es mit einer Mischung aus direkter Ansprache des Lesekindes und überraschenden Vergleichsstrukturen so viel Aufmerksamkeit zu erzielen, dass man teilweise Schwierigkeiten hat, sich auf den Handlungsverlauf zu konzentrieren: “Wenn du ein Bus bist, kannst du ohne Benzin nicht fahren. Also machst du auf der Landstraße einen Satz vorwärts wie ein hüftkranker Frosch […]” (S. 5) Manchmal hingen meinen Gedanken noch beim letzten Gedankengang, während die Augen schon weitergewandert waren. Das ist ungewöhnlich für ein Kinderbuch und dadurch teilweise auch anstrengend.  

Abbildung von Coppenrath

Andererseits gibt es Formulierungen, die so bild-schön sind, dass ich die Autorin dafür bewundere. Der Erker eines Hauses wird beispielsweise zu erklärt: “Das ist so eine Art Beule am Haus, und man kann wundervoll darin sitzen und lesen, besonders wenn es regnet und man sich Sofakissen hineinlegt  – dann hockt man in einer Höhle aus pochender Regenmusik.” (S. 9)

Erzählt wird die Geschichte der (fast) zehnjährigen Mieke, Zwilligen aus dem Nachbarhaus, Kinderfreundschaften, Abenteuer und vor allem dem Wunsch nach einer Kinderbande, die wohl zu den klassischen Motiven der Kinderbuchliteratur gehört. Neben der ungewöhnlichen Sprache, ist auch die Setzung des Textes gewöhnungsbedürftig. Es gibt Seiten, auf denen fast jeder Satz in einen neuen Absatz gesetzt wurden und damit einen unruhigen Eindruck erwecken.

Abbildung von Coppenrath

Der Spannungsbogen wird bis zum – für meinen Geschmack etwas zu dramatisch gestalteten – Ende des Buches* durchgehalten. Im gesamten Handlungsverlauf geht aber immer mal deutlich härter zu, als die sehr nach heiler Welt aussehenden Illustrationen, die im Buch in schwarz-weiß Zeichnungen auftauchen, vermuten lassen. Die Illustratorin hat übrigens bereits ein eigenes Buch zum Thema Handlettering* mit Übungsmaterial* herausgegeben – aber ich schweife ab …

Sicherlich ist man am Ende der Grundschulzeit bereits in einem Alter angekommen, in dem die Welt nicht immer nur rosa-rot ist, aber dennoch wünsche ich mir für die eigene Tochter, dass ihre Gedanken in vier Jahren noch nicht so negativ sind, wie teilweise von Mieke. Schon wegen der Sprachherausforderung wird sie es aber wohl zum Lesen bekommen.

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Kreativtagebuch einer Kunsthistorikerin mit (Ehe)Mann, zwei Schulkindern (*01/2010 & 07/2013) und einem Kindergartenkind (*09/2017) im Projekt Vierseithof (*1768) in Dresden wohnend, gerne die Welt bereisend.

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