Rezension: Dickerle

15. Oktober 2021 | Rezensionen, Anzeige, Kinder-Lesestoff, Kinderbücher (6-10 Jahre) | 0 Kommentare

Auch wenn ich mittlerweile bezweifle, dass meine eigenen dünnen Zeiten nochmal wiederkomme, war ich dennoch nie ein dickes Kind und kann daher nur ahnen, wie es ist, wenn man wirklich zu viel auf den Hüften hat. Bei unseren drei eigenen Kindern, würde den Söhnen ein paar Gramm mehr gut tun. Bei der Tochter hingegen hoffe ich derzeit, dass das Gewichtsthema im Kreise der Fast-Teenager kein problematisches wird, denn sie ist wunderbar “normal”, aber nicht Bohnenstangenhaft. Das wunderbare Kinderbuch “Dickerle“* von Monika Helfer, die als österreichische Schriftstellerin sicherlich schon einigen bekannt ist und die derzeit mit ihrem Roman Vati” auf der Sortlist für den Deutschen Buchpreis 2021 steht, über den am kommenden Montag entschieden wird, thematisiert das problematische Körpergewicht im Kindergarten- und Grundschulalter, aber auch bei Erwachsenen.

Presse-Abbildung vom Leykam-Verlag

Die Geschichte ist mit viel Witz auf das Ungleichgewicht angelegt. Die sechsjährige Olivia ist so dick, dass die Katze einige Schritte braucht, um über ihre Kleidung zu gehen, die Mutter hingegen “dünn wie eine Schnurr”. Das Kind beschließt abzunehmen und daraufhin isst die Mutter alles, worauf Olivia verzichtet und wird – dick. Das Schulkind verzichtet – auf Essen, auf Freunde, sogar auf das Füttern des Hasens, der verhungert. Schließlich bekommt sie von der Oma eine dreistöckige Schwarzwälder Kirschtorte, die sie verschenkt, um sie nicht essen zu müssen. Eine Ersatztorte verspeist dann doch wieder die Mutter: “Erst nur ein schmales Stück. Dann ein breiterers. Dann einen ordentlichen Keil. Dann war eh schon alles wurscht.”

Presse-Abbildung vom Leykam-Verlag

Dickerle ist ein überraschend kluges Buch. Statt dem erhobenen pädagogischen Zeigefinger spannt es eine Geschichte, die man sehr gerne liest und viel häufiger lachen muss, als man zunächst vermutet, denn schließlich “hungert” ein Kind, um dazuzugehören und verzichtet sogar auf Freundschaften, während auch die Mutter alles andere als glücklich ist. Selbst ein vernachlässigtes Haustier stirbt nebenbei. Genau diesen Gesprächsfaden kann das Buch aber entstehen lassen, wenn man sich als vorlesender Erwachsener die Zeit dafür nimmt. Wann gehört man dazu? Welche Bedeutung hat das (zu) dick- oder (zu) dünn-sein. Wann ist man glücklich?

Presse-Abbildung vom Leykam-Verlag

Illustriert hat das Buch Christoph Abbrederis, der nach einigen Auslandsjahren inzwischen wieder in Wien lebt und an der Universität für angewandte Kunst lehrt. Das Buch ist außerdem im Leykam-Verlag erschienen, aus dessen Verlagsprogramm ich bislang noch keine Neuerscheinung hier präsentieren konnte. Tatsächlich gehört er mit einem Gründungsjahr im 16. Jahrhundert zu den ältesten Verlagen in Österreich.

Presse-Abbildung vom Leykam-Verlag

Das Buchende ist sehr versöhnlich, denn beide erreichen ein “mittel-dünn” oder “mittel-dick”. Tatsächlich habe ich hier ein bisschen gestutzt, ob es dadurch nicht doch ein zu offenes Ende ist. Natürlich ist viel zu dünn und viel zu dick, wenn dahinter Probleme stehen: “Ein bisschen auch vom Kummer nahm sie zu. Kummer, weil sie zunahm. Kummer auch wegen anderen Dingen, aber über die reden wir hier nicht.“, kein guter Lebensweg, aber glücklich werden Tochter und Mutter ganz sicher nicht sein, weil nun ihr Gewicht wieder stimmt. Das sehen hoffentlich alle Leser so.

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