Spiel(zeug)rezension: Pandemiepoker von Noris

5. November 2021 | Spiel(zeug)rezension, Anzeige, Kartenspiele | 0 Kommentare

Als ich mir im Sommer aus den Neuerscheinungen die nächsten Spiele auswählte, fiel meine Wahl auf das “Pandemiepoker“* von Noris. Das dieses uns nun schon das zweite Jahre beschäftigende Thema auch in der Spielewelt ankommen würde, war zu erwarten und meine Neugier daher groß. Ausführlich gespielt wurde es während der Chorfahrt in den Harz mit genügend spielewilligen Probanten im passenden Alter, wobei der Hersteller acht Jahre angegeben hat. Natürlich ist zunächst die Frage, ob man sich über diese Erkrankung in dieser Spielform überhaupt lustig machen darf. Gerade bei dieser Chorreise prallten teilweise Welten aufeinander und der Bericht der Ärztin von ihrer Patientenerfahrung, die ihr unter den Händen wegstarben oder die verzweifelte Suche nach überlebensnotwendigen Intensivbetten, die nicht mehr zur Verfügung standen, ist mir sehr nahe gegangen. Das Spiel sehe ich dennoch vor allem als Gesprächsaufhänger, denn bei einigen Kindern wird die Erinnerung, wie es ohne die Virusproblematik im Alltag war, wohl immer schwächer und vielleicht ist so ein Kartenspiel auch gleich ein Gesprächsbeginn.

Zwei bis sechs Spieler können sich in jeweils ca. einer Viertelstunde mit diesen 110 Karten die Zeit recht kurzweilig vertreiben. Es ist tatsächlich ein reines Kartenspiel ohne notwendiges Zusatzmaterial wie Würfel oder ähnliches. Da das Spiel ab acht Jahren ist, sind die Regeln gar nicht so ganz einfach. Das Spielziel ist aber immerhin klar und verständlich: man muss seine Karten loswerden und sich nicht mit dem Virus anstecken. Der Hinweis, dass der Spieler mit der schönsten Maske beginnt, muss aus der Zeit kommen, als wir unsere Stoffmasken noch selbst genäht haben.

Jede Karte hab oben eine Zahl, die mit zwei Zahlen darunter kombiniert ist. Das verdeutlicht die Abstandsregel – nur diese Zahlenwerte dürfen auf dem Stapel abgelegt werden. Es gibt aber auch Karten, die man ohne Abstandsregel ablegen darf, was es schon etwas komplizierter macht. Die dritte Variante sind Karten, die jederzeit gespielt werden dürfen, wie die Klopapierkarten – der Mund-Nasen-schutz gilt als Abwehr jeder Covid-Karte. Hat man keine retten einen vielleicht noch die Desinfektions-, Handseife- oder Quarantänekarte. Hat man drei Viruskarten ist man ohnehin aus dem Spiel raus und muss “genesen”.

Auf jeder der witzig illustrierten Karten ist aufgeschrieben, was passiert. Bei der Quarantäne setzt man aus, bei ÖPNV muss man eine Karte ziehen, beim Lockdown müssen alle anderen Mitspieler aussetzen. Selbst die Querdenker sind nicht vergessen – da macht man etwas ziemlich absurdes: man wirft beliebig viele Karten weg und zieht neue. Was vielleicht tatsächlich in den Kinderköpfen bleibt, aber inzwischen wohl besser angekommen ist, als bei manchen Erwachsenen, ist das Händewaschen und Abstand halten, vor einer Ansteckung mit dem Virus helfen kann.

Wir fanden das Spiel tatsächlich recht amüsant. Das viele nachlesen der Regeln auf den Karten und in der Anleitung und vor allem manche Unklarheiten – gleiche Farbe darf man beispielsweise unabhängig von den Zahlenwerten ablegen – waren aber etwas holprig, denn auch mir war unklar, ob das wenigstens eine Zahl stimmen muss oder ob die Abstandsregel bei Doppelfarben dann nicht mehr gilt. Am liebsten wäre mir aber tatsächlich, wenn man mit Jahren Abstand sich mit diesem Spiel an die besondere Zeit erinnert. Vor allem ist meine Hoffnung, dass die Überlastung des Pflegepersonals und die Hilflosigkeit in den Krankenhäusern möglichst bald ein Ende hat.

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Kreativtagebuch einer Kunsthistorikerin mit (Ehe)Mann, zwei Schulkindern (*01/2010 & 07/2013) und einem Kindergartenkind (*09/2017) im Projekt Vierseithof (*1768) in Dresden wohnend, gerne die Welt bereisend.

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