Lange gab es nicht mehr so viele (organisatorische) Nähhürden, wie beim Wickelkleid Wicky von der Schneiderakademie. Am 6. April 2025 fand das erste Online-Nähevent der Schneiderakademie statt, bei dem sich überwältigende 6000 Teilnehmer einschalteten. Es ist schon beachtlich, wie groß die Nähcommunity eigentlich ist. Ich hatte mich zwar angemeldet, aber nicht damit gerechnet, dass ich parallel zur Osterfeier mit der Uroma teilnehmen könnte. Nach dem Mittagessen waren wir dann aber doch so zeitig am Nachmittag zurück, dass ich spontan doch noch mitgemacht habe.

Da ich allerdings weder das Schnittmuster geklebt, noch zugeschnitten hatte, schaffte ich kein Parallel-mit-nähen und stieg irgendwann beim integrierten Bindegürtel aus. Ich gehörte allerdings zu denen, die alle sechs Stunden mitgeschaut haben und bekam daher als Dankeschön am Ende Zugang zum 2h-Anleitungsvideo. Fertig nähen wollte ich beim Herbstnähwochenende der Dresdner Nähblogger in der Sächsischen Schweiz. Dort konnte ich mich trotz vieler Versuche aber nicht in das Portal einwählen. Der nächste Plan den Stoffhaufen beim Weihnachtskleid-sew-along fertig zu nähen, scheiterte an unserer Familiensituation. Mein Vater war nach dem Gewaltverbrechen an ihm zur neurologischen Reha in Pulsnitz und parallel besuchten wir Tagespflegeeinrichtungen, weil wir Ende des letzten Jahres noch dachten, dass wir ihn wieder nach Hause holen können. Fertig genäht wurde daher wirklich erst beim Frühjahrsnähwochenende der Dresdner Nähblogger.

Die Kleidfertigstellung mit dem sehr ausführlichen Anleitungsvideo – wobei ich selbst eher die Textform mag, die es in diesem Fall nicht gab – sorgte für viel Amüsement bei meiner Nähgruppe, denn ich hatte auf jeden Fall den völlig falschen Stoff gewählt. Bis heute ist mir unklar, warum ich bei einem Schnittmuster, das ausdrücklich für Webware konzipiert ist, ausgerechnet den Schlabberjersey aus Amsterdam, den ich bei Stoffen gekauft hatte (hier geht es zur kleinen Blogserie mit acht Stoffläden in Amsterdam) zugeschnitten habe. Zwischenzeitlich ähnelte das Stück eher einem Morgenmantel und es gab diverse Problemstellen: rückblickend hätte ich z.B. statt dem weißen Nahtband blau wählen sollen und die Wendeöffnung hätte auf jeden Fall eine Verstärkung gebraucht. Das Schnittmuster und auch die Anleitung ist aber wirklich empfehlenswert, denn gelernt habe ich dabei einiges, was ich noch nie genäht habe, wie beispielsweise die Manschettenärmel.

Ungewöhnlicherweise sind die Blogbilder des Kleides sogar mal nach dem ersten Trageeinsatz entstanden, denn die Knöpfe, die eventuell sogar aus der Knopfdose kommen könnten, wenn ich mich richtig erinnere, wurden erst auf der Autofahrt nach Leipzig angenäht. Wir hatten unserer Tochter zum 16. Geburtstag ein Elternwochenende ohne Geschwister mit Musicalbesuch von “Evita” geschenkt. Dabei wollte ich das Kleid das erste Mal tragen. Die Idee aufgrund der Schuhsituation dann doch eine Hose dazu zu kombinieren, war aber eher grenzwertig.

Das Musical der Oper Leipzig wurde in der musikalischen Komödie gegeben. Nach der Anreise am Vormittag und Stärkung in der Bäckerei Nourish besuchten wir mit ihr die Gedenkstätte Runde Ecke. Nach dem Musical am Abend ging es sogar kurz vor Mitternacht noch in die Mädler Passage zu Mephisto von Auerbachs Keller. Übernachtet haben wir – wie ich schon häufig auf Dienstreisen – im Gwuni Mopera, wobei ich sehr überrascht war, dass man dort als Geschäftsreisende bevorzugter untergebracht wird. Am nächsten Tag bekamen wir in letzter Minute noch Karten für die Sonntagsmatinée im Mendelsohn-Haus, das wir uns anschließend auch noch sehr ausführlich anschauten. Zwischen diesen Programmpunkten haben wir gut gegessen und beide sehr genossen, dass die Tochter mit ihren nun 16 1/2 Jahren die nicht unanstrengende Pubertätszeit wohl hinter sich gelassen hat.

Ich bin jetzt schon gespannt, welche Wochenendreise wir mit den beiden Geschwistern zu ihrem 16. Geburtstag machen werden.

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