An meinem ersten Urlaubstag in diesem Sommer saß ich mehr vor der Nähmaschine als vor dem zu packenden Koffer, da nur ich bereits frei hatte, der Mann noch arbeiten war und der Jüngste bei der Oma. Mit dem Wissen, dass wir mit Gepäckbegrenzung für drei Wochen Irland ohnehin kaum etwas einpacken könnten, war ich der Überzeugung, dass man dafür noch genügend Zeit haben würde. Wir hätten 3x 20 kg mitnehmen können, aber der Koffer hatte dann nur 18 kg und die beiden Wanderkraxen weniger als 10 kg. Das ich aber eine halbe Stunde vor Abreise am kommenden Tag tatsächlich noch ein spontanes Reiseshirt nähen wollte, erforderte sehr viel Geduld meines Mannes.

Kirsten Kimono Tee von Maria Denmark Nr. 4 entstand tatsächlich in so kurzer Zeit, wie wohl noch nie ein halbwegs anziehbares Nähwerk für mich selbst. Vom letzten Versuch wusste ich, dass es etwas lockerer fallen sollte. Ein nicht beendetes Zwischenwerk saß dann immer noch zu knapp, aber mit diesem Ergebnis aus ganz wunderbar fallender Viskose Webware war ich wirklich zufrieden.


Den Stoff habe ich mir vor vier Jahren bei der Stoffladenauflösung bei Prodyouce in Radebeul gekauft. Die Nählabel sind von Dortex und endlich mal aus einem der Label-Adventskalender. Wie immer bei mal-eben-schnell-Nähprojekten lief nicht alles so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Die Lufteinfädelung der Babylock hing und selbst die Fadenspannung der Nähmaschine kam mir nicht ganz in Ordnung vor – damit habe ich sonst nie Probleme. Selbst die Säume sind quick-and-dirty. Mit Höchstgeschwindigkeit (“das schaff ich noch”) einmal mit der Overlock drüber und ohne umbügeln mit der Nähmaschine knapp abgesteppt. Das würde alles schöner gehen, aber dafür fehlte mir die Zeit.

Das Shirt wurde – zum Entsetzen des Mann noch fotografiert – anschließend übergeworfen und es ging los: bei der Anreise erlebte das Shirt eine Busfahrt zum Dresdner Hauptbahnhof, die Zugreise nach Berlin, einen morgendlichen Flug – mit Aufstehen um 3:40 Uhr – nach Dublin mit Ryanair, den Dublinexpress in das Zentrum und mit Irishrail – dort entstand das erste Tragebild – quer durch Irland bis nach Tralee.


Vor dem Start des Dingle Way entstanden noch zwei weitere Tragebilder von meinem Mann, die mich zwar auch nicht völlig überzeugen, aber man kann ja für den MeMadeMittwoch froh sein, wenn man etwas zum vorzeigen hat. Der Stoff und der Schnitt tragen sich tatsächlich richtig gut und trotz der kleinen Nähfehler, die der Eile geschuldet sind, gehört es aktuell zu meinen Lieblingsshirts.
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