Normalerweise folge ich den allgemeinen Nähtrends ja mit einem ziemlich großen Abstand, aber Tamarilla, die ich beim Nähcamp in Berlin kennenlernen durfte, ist es zu verdanken, dass ich diesmal rechtzeitig auf den kostenlosen Schnitt von Maria Denmark aufmerksam geworden bin. Der Schnitt mit dem etwas sperrigen Namen Kirsten Kimono Tee (bezieht sich das Tee auf T-Shirt?) wird in der Bloggerwelt gerade hoch- und runtergenäht.

Ich habe den strukturierten Viskosejersey vom Stoffmarkt vernäht und dabei wohl erstmals innerhalb kürzester Zeit den Nähplan für den Kaufstoff auch wirklich in die Tat umgesetzt. Auf dem ersten furchtbar schlecht ausgeleuchteten Nachtlichtbild sieht man zwar irgendwelche Längsstreifen, die der Stoff eigentlich nicht hat, aber die Grundstruktur wird immerhin sichtbar: das Shirt besteht nur aus zwei Schnittteilen und ist deshalb rasant genäht.

Bei mir entstand mein Kirsten Kimono Tee Stockholm allerdings an einem typischen amberlight-Wochenende, mit viel zu vielen Terminen für viel zu wenig Stunden. Außerdem hatte der Mann gleich drei Konzerte in drei verschiedenen Städten, von denen er es aber nur zu zweien schaffte. Bei der hektischen Zwischendurchnäherei gab es diesmal so viele Nähunfälle, dass es mit Sicherheit zu den am schlechstesten genähten Kleidungsstücken des Jahres zählt. Die Halsausschnittversäuberung, die mir hier so gut gelungen ist, ist eigentlich eine Katastrophe, denn der Strukturjersey ringelte sich ständig ein und durch die Wellen hatte man keine Ahnung, wo man eigentlich näht.

Die Kollegin trug neulich ein völlig unversäubertes Shirt und meinte, dass sich das nach der ersten Wäsche doch ohnehin einrollt. Bei diesem Stoff hätte ich mich das wohl besser auch trauen sollen, denn vor der Covernaht gefiel mir der Armabschluss deutlich besser. Anderseits habe ich noch nie nicht-versäubert. Das sieht so unfertig aus, oder? Wie macht ihr das?

Irgendwie ist es mir in der Nacht vor meiner Stockholmreise doch noch gelungen, das grasgrüne Shirt fertigzustellen – was ich auch heute am Mittwoch noch sehr mag. Meine Lieblingsfarbe ist es ja auf jeden Fall und im angezogen Zustand kann ich mit den Nähfehlern gut leben. Dem Shirt wurde jedenfalls nicht nur die Stockholmer Innenstadt, sondern auch Skansen gezeigt und darf heute zum  Me-made-Mittwoch und zur Kimono-Linkparty wandern.

Nach acht Jahren Abstand zu meiner mehrwöchigen Stockholm-Zeit für die Doktorarbeit kenne ich tatsächlich noch einige (Geheim)Tipps, die immer noch funktionieren. Habt ihr denn Interesse an einem Tipps-für-Stockholm-Blogpost?