Rezension: Die Kinder vom Birnbaumhaus

Rezension: Die Kinder vom Birnbaumhaus

Blogleser wissen, dass Umzugszeit und anschließend die dreiwöchige Dienstreise in ein Land mit Internetzensur dazu geführt haben, dass es ungewöhnlich ruhig auf dem Blog war. Auch die Verlage müssen sich momentan gedulden. Wenn ich den Bücherstapel der Rezensionsexemplare so sehe, traue ich mich noch gar nicht so richtig, bei den Neubestellungen aus dem Herbstprogramm zuzuschlagen. Ebenfalls länger als üblich, musste der Coppenrath-Verlag auf die Vorstellung des Buches “Die Kinder vom Birnbaumhaus” warten, das mir von Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt wurde.

Abbildung von Coppenrath

Das 184seitige Kinderbuch der Autorin Anne Herzog, die mit der Illustratorin Frau Annika zusammenarbeite, richtet sich an die Altersgruppe 9-11 Jährige und damit an Kinder, die bereits selbst lesen können. Die Sprachverwendung der Autorin, die sich angenehm vom standardisierten Erzählstil abhebt, schafft es mit einer Mischung aus direkter Ansprache des Lesekindes und überraschenden Vergleichsstrukturen so viel Aufmerksamkeit zu erzielen, dass man teilweise Schwierigkeiten hat, sich auf den Handlungsverlauf zu konzentrieren: “Wenn du ein Bus bist, kannst du ohne Benzin nicht fahren. Also machst du auf der Landstraße einen Satz vorwärts wie ein hüftkranker Frosch […]” (S. 5) Manchmal hingen meinen Gedanken noch beim letzten Gedankengang, während die Augen schon weitergewandert waren. Das ist ungewöhnlich für ein Kinderbuch und dadurch teilweise auch anstrengend.  

Abbildung von Coppenrath

Andererseits gibt es Formulierungen, die so bild-schön sind, dass ich die Autorin dafür bewundere. Der Erker eines Hauses wird beispielsweise zu erklärt: “Das ist so eine Art Beule am Haus, und man kann wundervoll darin sitzen und lesen, besonders wenn es regnet und man sich Sofakissen hineinlegt  – dann hockt man in einer Höhle aus pochender Regenmusik.” (S. 9)

Erzählt wird die Geschichte der (fast) zehnjährigen Mieke, Zwilligen aus dem Nachbarhaus, Kinderfreundschaften, Abenteuer und vor allem dem Wunsch nach einer Kinderbande, die wohl zu den klassischen Motiven der Kinderbuchliteratur gehört. Neben der ungewöhnlichen Sprache, ist auch die Setzung des Textes gewöhnungsbedürftig. Es gibt Seiten, auf denen fast jeder Satz in einen neuen Absatz gesetzt wurden und damit einen unruhigen Eindruck erwecken.

Abbildung von Coppenrath

Der Spannungsbogen wird bis zum – für meinen Geschmack etwas zu dramatisch gestalteten – Ende des Buches* durchgehalten. Im gesamten Handlungsverlauf geht aber immer mal deutlich härter zu, als die sehr nach heiler Welt aussehenden Illustrationen, die im Buch in schwarz-weiß Zeichnungen auftauchen, vermuten lassen. Die Illustratorin hat übrigens bereits ein eigenes Buch zum Thema Handlettering* mit Übungsmaterial* herausgegeben – aber ich schweife ab …

Sicherlich ist man am Ende der Grundschulzeit bereits in einem Alter angekommen, in dem die Welt nicht immer nur rosa-rot ist, aber dennoch wünsche ich mir für die eigene Tochter, dass ihre Gedanken in vier Jahren noch nicht so negativ sind, wie teilweise von Mieke. Schon wegen der Sprachherausforderung wird sie es aber wohl zum Lesen bekommen.

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Stoffe aus China

Stoffe aus China

Auf meinem Creadienstagstisch liegen neue Stoffe, die ich aus China mitgebracht habe. Erstaunlicherweise sind es aus diesem roten Land ausschließlich blaue Stoffe geworden, was ich mir auch nicht so richtig erklären kann.

Gekauft habe ich handgewebte Stoffe, ein Seiden-Bambus-Gemisch und reine Seide. Die Geschichten dazu werden natürlich noch einzeln erzählt. Insgesamt sind es neun Meter geworden und nur die Begrenzung des Fluggepäcks konnte mich bremsen.

Auslosung Gutscheine für #unseretsy

Auslosung Gutscheine für #unseretsy

Auch wenn ich bislang kein anderes Land erlebt habe, in dem die Smartphone Verwendung durch alle Altersschichten der Bevölkerung so verbreitet ist, wie derzeit in China – wobei sich meine Beobachtung nur auf die drei Millionenstädte Shanghai, Guangzhou und Beijing bezieht und die Entwicklung auf dem Land vermutlich (noch) eine andere ist – konnte ich meine Postkartenaktion während meine Dienstreise leider überhaupt nicht virtuell begleiten.

Mit wenigen Ausnahmen haben wir vor allem iPhone-Nutzer* gesehen. Alle (amerikanischen) Google-Dienste – und damit auch mein Blog und Instagram – waren aber ohne einen zusätzlichen VPN-Zugang nicht erreichbar. Für Twitter und Co. existieren jeweils weit verbreitete chinesische Alternativen, wie beispielsweise WeChat. Selbst die Museumslandschaft nutzt diesen Social Media Kanal intensiv. Darüber wird aber auch im Supermarkt oder im Restaurant ebenso wie beim Besuch der Peking-Oper via QR-Code-Scan direkt an der Kasse gezahlt. Als touristischer Bargeldbenutzer kommt man sich da schon fast antiquiert vor und kann einige kulturelle Angebote gar nicht nutzten. Das trotz meiner Blog-Offline-Zeit so viele an meiner Postkartenaktion mitgemacht haben, freut mich sehr.

Wie angekündigt, verteile ich daher dank Internaht und der Aktion #unseretsy unter den Postkartenzusendern drei Etsy-Gutscheine. Die Gutscheine haben einen Wert von zehn Euro, sind bis 30.06.2016 gültig und ohne Mindestbestellwert in jeden deutschen Etsy-Shop einlösbar. Gewonnen haben jeweils einen dieser Gutscheine:

Die Besitzerin der Giraffe “Mimi”

die mit einer ganzen Postkartenserie den Stapel ordentlich hat anwachsen lassen

Casoubon 

deren (große) Postsendung bereits einen Tag vor meiner Abreise ankam und mit dem Inhalt für viel Beschäftigung bei den Kindern sorgte

Muggel2013

Die mich wohl via Instagram begleitet 

Die Etsy-Gutscheine bekommt ihr direkt via mail an Internaht. Ob die drei Gewinner hier verraten, für welchen Etsy-Shop sie sich entscheiden? Inspirationen dafür gibt es beispielsweise hier und hier.

Sonntagsfreude neue Blogserie

Sonntagsfreude neue Blogserie

Meine Sonntagsfreude ist heute, dass ich nach drei Wochen China wieder bei meiner Familie bin, aber auch, dass ich die Möglichkeit hatte, dieses Land zu bereisen. So viele Eindrücke hatte ich noch nie nach einer Reise zu verarbeiten. Ich habe so gut und überraschend wie selten zuvor gegessen, über die technische und wirtschaftliche Entwicklung gestaunt und einige Blicke hinter die Kulissen werfen können.

Neben den vielen beruflichen Terminen, die mich erwartet haben, konnte ich die Augen auch nach einigen Blogthemen offen halten. In nächster Zeit – ohne festen Rhythmus – werde ich euch daher mit in das Land der Mitte nehmen. Mein bisheriges Fazit ist, dass es China gar nicht gibt. 🙂 Ein Land, dass fast die gleiche Größe wie ganz Europa hat, ist in den verschiedenen Regionen so unterschiedlich, dass es weder eine einheitliche Mentalität noch eine einheitliche Kultur oder Küche gibt. Auch der Arm der Partei ist längst nicht so lang wie erwartet. Ihr dürft gespannt sein.

Werbung: Das Geburtsbuch

Werbung: Das Geburtsbuch

Über kaum ein anderes Thema spricht man so emotional wie über die Geburt. Bevor man selbst ein Kind auf die Welt gebracht hat, ist es das ganz große Mysterium und zumindest bei mir reduzierte sich die Beobachtung auf das Schmerzempfinden der Frauen unter der Geburt und die Euphorie, wenn das Neugeborene nach vielen Stunden endlich auf der Welt war. Unklar war mir vor meinen eigenen Geburtserlebnissen immer, wozu -vor allem bei Geburtsberichten in Filmen – nach “heißen Tüchern” gerufen wurde. Inzwischen habe ich nun schon drei eigene Geburten erlebt, die so völlig anders als meine Erwartungen waren, und zwei wunderbare Kinder an meiner Seite. In diesen Tagen warten wir außerdem voll Vorfreude auf das erste Kind meiner Schwägerin. Viele Erinnerungen und Gedanken gehen daher durch meinen Kopf und ich freue mich, dass passend dazu “Das Geburtsbuch” von Nora Imlau bei Beltz auf meinem Rezensionstisch gelandet ist. Nicht nur die Autorin ist mir durch ihre journalistischen Beiträge bekannt, sondern auch Herbert Renz-Polster der das Nachwort geschrieben hat und mit seinem Gesundheit-für-Kinder-Standardwerk unser Wegbegleiter durch alle Erkrankungen unserer Kinder ist.

Abbildung von Beltz

Das Ende April 2016 neu erschienene, 287 Seiten umfassende Buch, das diese besonderen Emotionen der Frau thematisiert, ist in drei Hauptkapitel untergliedert. Im Teil 1 mit dem Schlagwort “Vorbereiten” geht es um “Das Geheimnis der Geburt”, Teil 2 unter “Vorbereiten” zeigt “10 Wege, ein Kinder zur Welt zu bringen” aber auch “Besondere Geburten” und Teil 3 mit “Verarbeiten” richtet sich mit “Wie Mütter an ihren Erfahrungen wachsen” an alle Frauen, die bereits ein Kind geboren haben. Damit schafft Nora Imlau den Spagat, sich in diesem Buch, das als medizinischer Beirat die Hebamme Sabine Pfützner unterstützt hat, sowohl an Frauen zu richten, die das erste Mal ein Kind bekommen, wie auch an alle, die ein weiteres Kind erwarten oder sich mit dem Erlebten auseinandersetzen möchten. Der Schwerpunkt des Buches liegt aber beim Bereich “Erleben”, der mit 150 Seiten am umfangreichsten ist. Die drei Themenbereiche sind in den Anfangseiten der Kapitel farblich gestaltet, wobei diese Farbe auf jeder Seite im unteren Bereich weitergeführt wird. Von unten betrachtet, sieht das Buch daher sehr farbenfroh aus. Zunächst gibt es kleinen Seitenblock in Sonnengelb, es folgt der umfangreiche Bereich in Pink und den Abschluss bildet ein Lindgrün.

Neben dieser Farbgestaltung und den beeindruckenden schwarz-weiß-Fotos von Kertin Pukall ist das Buch sehr textlastig aufgebaut und wird nur durch wenige Grafiken und Tabellen sowie im Erleben-Abschnitt durch kursivgesetzte Erfahrungsberichte, die mit Farbfeldern hinterlegt sind, aufgelockert. Obwohl die Autorin sich bereits im Vorwort als “echter Hausgeburts-Fan” bezeichnet, schafft sie es, wertungsfrei auf die verschiedenen Geburtsvarianten einzugehen. Dennoch bleibt sie kritisch genug, um die inzwischen auch in Deutschland erschreckend hohe Rate an Kaiserschnittgeburten von 33% kritisch zu hinterfragen. Selbst die WHO geht davon aus, dass diese Geburtsvariante eigentlich nur bei 10 bis 15 Prozent liegen dürfte. (S. 62) Da hier eine Journalistin die Autorin ist, werden noch weitere Zahlen geliefert. Während eine natürliche Geburt ohne medizinische Eingriffe “nur” 600 Euro bringt, zahlen die Krankenkassen bis zu 4000 Euro für einen Kaiserschnitt. Einmal mehr hat mich bei der Lektüre des Buches daher die Aussage schockiert, dass Geburtsabteilungen interne Kaiserschnittquoten haben sollen, um wirtschaftlich zu arbeiten. (S. 68)

Dieses Buch will offensichtlich dieser Entwicklung entgegenwirken, denn es ist eine Anleitung, die helfen kann, selbst beim ersten Kind eine selbstbestimmte Geburt zu planen. Sie zeigt die vielen verschiedenen Geburtsvarianten von der Alleingeburt, über die natürliche Geburt in der Klinik bis zum Wunschkaiserschnitt. Es werden jeweils die Gründe -“gute” bei den natürlichen Varianten, “typische” bei denen, mit medizinischem Eingriff – und Checklisten aufgezählt, sowie viele Hinweise und Tipps gegeben. In jedem Kapitel ist jedoch die positive Grundeinstellung zum natürlichen Ereignis Geburt zu spüren und so kann das Buch dazu beitragen, Angst zu nehmen.

Und meine eigenen Geburten? Wer meinen Blog und damit auch ein bisschen meine Lebenseinstellung kennt, wird wissen, dass ich mir – im Gegensatz zum Mann an meiner Seite – nicht nur eine Hausgeburt oder wenigstens Geburtshausgeburt sondern sogar eine Alleingeburt vorstellen könnte. Meine jeweils schweren Nachblutungen, mehrere Stunden nach der Geburt, die mich in allen Fällen in eine lebensbedrohliche Situation gebracht haben, führen aber dazu, dass ich mir diesen Lebens(start)traum nicht erfüllen kann. Umso dankbarer bin ich , dass ich – neben einigen wenigen Einschränkungen – mit meinen Krankenhausgeburten sehr zufrieden bin und ich beim Sohn noch ein bisschen mehr als bei der Tochter eine selbstbestimmte Geburt erleben konnte – ohne medizinische Eingriffe, ohne Beschleunigung der Plazentalösung, mit auspulsierender Nabelschnur und einer eigenen Entscheidung, an welchem Tag mein Kind das erste Mal angezogen wurde. Meine eigenen Sonderfälle – Spätatonie und auch die möglichen Komplikationen, die bei einem Sternenkucker, wie es der Sohn war, auftreten können – findet man in diesem Buch nicht. Da aber beides bei Frauen die Angst vor der Geburt eher erhöhen könnten, finde ich das kein Manko des Buches. Dafür bin ich mir sicher, dass das Geburtsbuch bald auf vielen Lesetischen und Hebammenpraxen liegen wird und neben der Lektüre des Textes der Autorin vor allem auch das – wie immer – großartige Statement von Herbert Renz-Polster möglichst viele Schwangere lesen.